Audi RS 5 Front/Seite & Audi RS 5 Avant Heck/Seite
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Mit beiden Händen

Der Audi RS 5 bringt brachiale Mittelklasse-Power

Ein ganz normaler Tag in der GO! Redaktion: Man sortiert Drehtermine, schreibt Artikel wie diesen hier und gestaltet TV-Beiträge. Wie es halt so ist, wenn man "was mit Medien" macht, checkt man hie und da Instagram. Und statt gesellschaftspolitisch relevanter Nachrichten, Kochtipps und Urlaubsfotos von Bekannten war an diesem Tag nur eines zu sehen: der neue Audi RS 5.

Das Handy ist also eh schon in der Hand, die Nummer eines befreundeten Audi-Mitarbieters schnell gewählt. Die Euphorie ist auf einem ähnlich hohen Level, wie wenn sich zwei Kinder am 25. Dezember über ihre Weihnachtsgeschenke unterhalten. Die Heckansicht wird zum Kern des Gesprächs – besonders die Endrohre. Aus dem Telefonhörer klingt der Halbsatz: "…so geil, ich komm mit beiden Händen rein!"

Dass die Auspuffanlage des Audi gemeint war, musste er später seiner Bürokollegin erklären. Egal, die riesigen Edelstahlovale faszinieren. Die ähnlich dezenten Verbreiterungen auch: viereinhalb Zentimeter pro Seite. Das merkt man spätestens, wenn auf Autobahnbaustellen der Angstschweiß aus allen Poren tropft. Egal, wie schon im RS 3 machen hinter den Vorderrädern Entlüftungsöffnungen auf sich aufmerksam. Besonders böse: die Frontansicht. Der RS 5 blickt andere Verkehrsteilnehmer an wie Darth Vader, bevor er vollstreckt.

Der Audi hat zwar kein Lichtschwert, wohl aber einen 2,9 Liter großen V6-Biturbo mit 510 PS. Und als ob das zu wenig wäre, eine elektrische Unterstützung im Wert von 130 Kilowatt. Insgesamt kommen 639 PS Systemleistung auf dem Asphalt an – Audi-typisch natürlich über alle vier Räder. So katapultiert er sich ohne Traktionsverlust in 3,6 Sekunden auf Landstraßentempo. Maximal sind 285 km/h drin. Der schnelle Ingolstädter kann aber auch Vernunft: 80 Kilometer sind rein elektrisch möglich.

Audi RS 5 Cockpit

Am Fahrersitz fühlt man sich wie in der Stierkampfarena. Das auffällige Rot sticht sofort ins Auge. Abseits des sportlichen Zierrats ist aber auch der RS 5 ein gut bedienbarer und hochwertig verarbeiteter Audi.

Sternzeichen Waage

Nun aber zum Elefanten im Raum. Ja, Wortspiel beabsichtigt. Der RS 5 ist mit gut 2,3 Tonnen kein Leichtgewicht. Ist das schlimm? Nein. Zum einen müssen wir uns von der romantischen Vorstellung eines alltagstauglichen Powerfahrzeugs mit weniger als 2.000 Kilogramm verabschieden. Hybridisierung, Komfort und Sicherheit fordern nunmal ihren Tribut. Zum anderen gibt es vorher nie dagewesene technische Möglichkeiten, die die Physik zum Statisten degradiert.

Längsdynamisch gibt es bei diesen Beschleunigungswerten kaum Grund, am Audi zu Zweifeln. Querdynamisch auch nicht. Da hat Audi ganz tief in die Trickkiste gegriffen und dynamisches Torque Vectoring installiert. Im elektromechanischen Sperrdifferenzial arbeiten ein – na no na ned – Sperrdifferenzial und ein kleiner Elektromotor zusammen. Dieser kommt auf acht Kilowatt beziehungsweise 40 Newtonmeter, die sich über ein Planetengetriebe kurzzeitig zu 2.000 Newtonmetern verwandeln. Und diese Extrakraft wird situationsabhängig zwischen den Hinterrädern verteilt. Dazu gibt es ein spezielles Sportfahrwerk, das dem Fahrer erlaubt, Zug- und Druckstufe, also Ein- und Ausfedern, zu adaptieren.

Im Innenraum des RS 5 dominieren rote Farbakzente. Auf den Sitzen, dem Armaturenträger und am Lenkrad in Form von zwei Spaßknöpfen sowie der 12-Uhr-Markierung. Insgesamt ist der RS 5 also eine ordentliche Portion automobiler Fanservice: brutale Optik, extreme technische Herangehensweisen und ein Fünkchen Vernunft.

Kasten Audi RS 3 Competition