Honda Prelude Front/Seite in Fahrt
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Dass es sowas noch gibt…

Der Honda Prelude lässt Autofans aufatmen

Retro ist ein Trend, der sich eigentlich stets auf eine optische Verwandtschaft zu automobilen Klassikern stützt. Was aber, wenn man Retro als Idee wahrnimmt. Als Versuch, die Gedankengänge der Ingenieure von damals mit den Möglichkeiten modernster Technik neu zu interpretieren. So geschehen beim neuen Honda Prelude, der einem verloren geglaubten Segment wieder neues Leben einhaucht.

Was heute SUVs sind, waren früher Sportcoupés. Jede Marke hatte einen Flachmann im Programm. Und jeder davon stand für Spaß und ein bisserl Dynamik im automobilen Alltag. Bis sie irgendwann alle verschwunden sind. Alltagstaugliche Coupés – also echte und nicht die mit abfallendem Dach und vier Türen – sind zur Mangelware verkommen. Noch dazu, wenn sie finanziell irgendwie darstellbar sein sollten.

Genau dieses Vakuum füllt Honda mit dem neuen Prelude. Optisch ist der Japaner über alle Zweifel erhaben. Das Design hat sich von der vielgelobten Studie zum Serienmodell de facto nicht verändert. Unter der Haube arbeitet das bekannte Zusammenspiel aus Benzin und Elektro, bei Honda e:HEV genannt. Der Verbrenner leistet steuerfreundliche 143 PS und sorgt neben gutem Sound auch für die Akkuladung. Für den Vortrieb ist die 184 PS und 315 Newtonmeter starke Elektromaschine zuständig.

Spaßmacher

Da der Elektroantrieb nur eine Fahrstufe benötigt, der Prelude aber ein Auto für den analogen Fahrspaß ist, entwickelt Honda das sogenannte "S+ Shift"-System. Dieses simuliert Schaltvorgänge so gut, dass man vergisst, dass eigentlich nur der E-Motor antreibt. Das Fahrwerk stammt übrigens vom Sportler Civic Type R, ist aber ein bisschen komfortabler abgestimmt. Was bleibt, sind die hohen Kurvengeschwindigkeiten und die direkte Verbindung zum Asphalt. Dazugekommen ist eine ordentliche Portion Alltagstauglichkeit. Der Prelude ist eben ein echter GT mit sehr sportlichem Grundcharakter.

 

Honda Prelude Heck/Seite

Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Und relativ praktisch sein. Die Heckklappe schwingt inklusive Scheibe auf und gibt 264 Liter Kofferraumvolumen preis. Ok, die Ladekante ist hoch, aber für solch eine flache Silhouette ist der Prelude ziemlich alltagstauglich.

Erwähnenswert: die Sitzmöbel. Honda selbst behauptet, es sind die besten, die sie jemals in einem Auto verbaut haben. Nach der ersten Fahrt bezweifeln wir diese Behauptung auch nicht. Die Sitze sind sogar unterschiedlich konstruiert. Während der Fahrer mehr Seitenhalt hat, genießt der Beifahrer mehr Komfort. Auch nicht schlecht. Aber all diese wirklich gut gemachten Details verblassen hinter der puren Existenz des Prelude. Danke, Honda. Danke, dass es sowas noch gibt.

Und dann sitzt man plötzlich selbst drin. Auf einer dieser Straßen, die sich in endlosen Kurven durch die Berge oberhalb von Nizza winden. Asphalt, der Geschichten erzählt. Und mittendrin ein Auto, dessen Geschichte wir in GO! selbst über Jahre hinweg miterlebt haben. Vom Konzept bis zum fertigen Serienfahrzeug. Ein bisserl wie beim Aufwachsen eines Kindes. Das schafft Nähe. Und ja, vielleicht auch Erwartungen.

Der Prelude liefert

Und dann diese Straßen oberhalb von Nizza. Enge Kehren, schnelle Wechsel, ständig dieses Panorama, das einen fast ablenkt. Genau hier fühlt sich der Prelude zuhause. Nicht auf der Geraden, nicht im reinen Zahlenvergleich, sondern dort, wo ein Auto arbeiten darf. Die Front bleibt auch bei höherem Tempo stoisch ruhig. Kein Zerren, kein unnötiges Eingreifen. Stattdessen eine Präzision, die Vertrauen schafft. Man lenkt ein und weiß sofort, was passiert. Die Rückmeldung ist klar, direkt und ehrlich. Genau das, was man sich von einem sportlichen Coupé erwartet.

Der Hybridantrieb fügt sich dabei erstaunlich gut ins Gesamtbild ein. Die Kraft ist jederzeit abrufbar, ohne Verzögerung, ohne Drama. Es fehlt nichts. Im Gegenteil: Gerade im kurvigen Geläuf wirkt der Antritt sogar souveräner, als es klassische Antriebe oft tun. Ein technisches Detail wird dabei zum emotionalen Verstärker. Die simulierten Schaltvorgänge greifen genau im richtigen Moment ein, unterbrechen kurz den Schub, bauen ihn wieder auf. Das fühlt sich vertraut an, fast selbstverständlich. Man ertappt sich dabei, aktiv mitzugehen, obwohl es objektiv nichts zu schalten gibt.

Honda Prelude Cockpit

Das Cockpit ist blitzsauber verarbeitet und setzt auf eine angemessene Anzahl an Knöpfen. Aufmerksame Leser erkennen rechts neben den Getriebetasten den Knopf für das "S+ Shift"-System, das im stufenlos angetriebenen Prelude das Gefühl echter Schaltvorgänge aufkommen lässt.

Gleichzeitig zeigt der Prelude eine Seite, die man in diesem Segment lange vermisst hat. Er ist kein kompromissloser Sportler. Er lässt sich auch entspannt bewegen. Unebenheiten werden sauber weggefiltert, ohne die Verbindung zur Straße zu verlieren. Genau diese Mischung macht ihn im Alltag so angenehm. Praktische Qualitäten sind ebenfalls vorhanden. Der Kofferraum ist gut zugänglich, die Heckklappe erleichtert das Beladen. Es sind diese kleinen Dinge, die den Unterschied machen, wenn ein Auto mehr sein soll als ein Wochenendspielzeug.

Dazu kommt ein Sicherheitsniveau, das unaufgeregt im Hintergrund arbeitet. Systeme, die nicht nerven, sondern unterstützen. Die einfach da sind, wenn man sie braucht. Und so entsteht ein Gesamtbild, das man so lange nicht mehr gesehen hat. Ein Auto, das nicht laut um Aufmerksamkeit bittet, sondern sie sich verdient. Eines, das nicht übertreibt, sondern genau trifft. Ein Coupé für jeden Tag. Mit Charakter, mit Gefühl und mit einem klaren Verständnis davon, was Fahrspaß heute bedeuten kann. Kurz gesagt: Erwartungen erfüllt. Vielleicht sogar übertroffen.

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