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Land der Autos. Zukunftsreich!

Warum sich ohne Österreich nix bewegt – Teil 1

Österreich ist ein Autoland. Zumindest wurde es vor zwei Jahren von einem Bundeskanzler so bezeichnet. Ein Autoland? Österreich? Wirklich? Das Land der Berge, der Seen, der Skifahrer und der Kaffeehäuser? Das Land, das zwar eine stolze Industriegeschichte besitzt, aber keine eigene große Automarke mehr vorweisen kann? Die Fragen sind berechtigt. Schließlich denkt man bei Deutschland an Mercedes-Benz, BMW, Audi, Opel und Volkswagen. Bei Italien fallen einem Ferrari, Lamborghini und Fiat ein. Frankreich hat Renault und Peugeot, Schweden Volvo und die Tschechen Skoda. Österreich hingegen? Da wird es schon schwieriger.

In dieser Aussage steckt allerdings weit mehr Wahrheit, als viele auf den ersten Blick vermuten. Vielleicht ist Österreich sogar eines der faszinierendsten Autoländer Europas. Nicht, weil hier Millionen von Fahrzeugen unter einer rot-weiß-roten Marke vom Band laufen. Sondern weil Österreich seit Jahrzehnten etwas geschaffen hat, das oft viel wertvoller ist als ein Logo auf der Motorhaube: Kompetenz, Entwicklung, Fertigung, Ingenieurskunst. Und eine bemerkenswerte Fähigkeit, Menschen hervorzubringen, die die internationale Automobilwelt prägen.

Die meisten Menschen betrachten ein Auto von außen. Sie sehen die Marke, die Form, die Farbe und das Emblem am Kühlergrill. Doch die eigentliche Geschichte eines Fahrzeugs beginnt lange bevor es auf die Straße kommt. Sie startet in Entwicklungszentren, Versuchslabors, Produktionshallen und Besprechungsräumen. Genau dort findet man Österreich heute häufiger, als man es vermuten würde.

Magna Steyr in Graz

Bei Magna Steyr in Graz werden von rund 8.800 Mitarbeitern Fahrzeuge verschiedener Marken gefertigt. Knapp vier Millionen Fahrzeuge hat Magna bereits in Österreich produziert. Damit ist das Unternehmen der weltweit führende, markenübergreifende Komplettfahrzeughersteller.

Steiermoak, do bin i her

Wer sich mit der globalen Automobilindustrie beschäftigt, stößt früher oder später unweigerlich auf die Steiermark. Genauer gesagt auf Graz. Während Wien als politische Hauptstadt des Landes gilt, könnte man Graz durchaus als heimliche Hauptstadt des österreichischen Automobils bezeichnen. Dort befindet sich mit Magna Steyr einer der bedeutendsten Fahrzeughersteller Europas.

Das liegt vor allem daran, dass Magna keine Autos unter eigenem Namen verkauft. Magna ist gewissermaßen der Ghostwriter der Automobilindustrie. Andere Hersteller schreiben ihren Namen auf die Motorhaube. Magna sorgt dafür, dass das Fahrzeug überhaupt gebaut werden kann. In Graz entstanden in den vergangenen Jahrzehnten Fahrzeuge für Mercedes-Benz, BMW, Toyota, Jaguar und viele andere Marken.

Mercedes-Benz G-Klasse Heck/Seite in Fahrt

Die Mercedes-Benz G-Klasse trägt sogar das Gütesiegel "Schöckl proved". Die extrem anspruchsvolle Teststrecke am Grazer Hausberg stellt also kein Problem für den Luxus-Geländewagen dar. Das "G" steht zwar für Gelände, könnte aber eigentlich auch für Graz stehen, denn seit 1979 wird der große Benz dort gebaut.

Der legendäre Mercedes G, jenes kantige Offroad-Urgestein, das mittlerweile vom Geländewagen zum Luxusobjekt avanciert ist, wird seit Jahrzehnten in Graz gefertigt. Auch der BMW Z4, der Toyota Supra oder der Jaguar I-Pace verdanken ihre Existenz zu einem wesentlichen Teil österreichischer Ingenieurskunst und österreichischen Facharbeitern. Aktuell werden sogar die vermeintlich chinesischen Autos von Xpeng dort montiert. Deren Elektromodelle neuester Generation mit Ladeleistungen jenseits der 400 Kilowatt laufen in der Steiermark vom Band.

Xpeng P7+ Front/Seite

Der Xpeng P7+ ist der wohl österreichischste Chinese, den es aktuell gibt. Neben der Limousine werden noch drei weitere Xpeng-Modelle bei Magna Steyr montiert. Die Marke selbst sagt, dass die lokale Fertigung ein wesentlicher Bestandteil des Europaplans ist.

Das Besondere daran ist nicht nur die technische Leistung, sondern auch die Flexibilität. Während klassische Automobilhersteller meist ausschließlich Fahrzeuge der eigenen Marke produzieren, baut Magna unterschiedlichste Modelle für unterschiedlichste Kunden. Die Steiermark ist damit so etwas wie die neutrale Schweiz der Automobilproduktion geworden. Hier zählt nicht das Markenlogo, sondern die Fähigkeit, komplexe Fahrzeuge in höchster Qualität zu entwickeln und zu fertigen.

BMW Z4 Front/Seite und Toyota Supra Front/Seite

Die ungleichen Geschwister BMW Z4 und Toyota Supra sind die sportlichen Aushängeschilder von Magna. Genauer: Sie waren es. Die Produktion wurde im Frühjahr 2026 eingestellt.

Doch selbst Magna erzählt nur einen Teil der österreichischen Erfolgsgeschichte. Die wahre Stärke des Landes liegt oftmals dort, wo man sie als Autofahrer gar nicht sieht. Sie steckt in Komponenten, Technologien und Entwicklungen, die weltweit zum Einsatz kommen. Kaum jemand denkt beim Starten seines Autos darüber nach, wo die Prüfstandstechnik entwickelt wurde, mit der der Motor getestet wird. Kaum jemand fragt sich, wer die Software validiert, die Batterien optimiert oder die nächste Generation von Antriebssystemen entwickelt.

Doch genau hier beginnt die Welt von Unternehmen wie AVL. Für Brancheninsider hat AVL List längst Legendenstatus erreicht. Das Grazer Unternehmen zählt zu den wichtigsten Entwicklungsdienstleistern der Welt. Praktisch jeder große Fahrzeughersteller arbeitet in irgendeiner Form mit AVL zusammen. Dort werden Motoren entwickelt, Prüfst.nde gebaut, Batterien getestet und neue Mobilitätskonzepte erforscht. Wer heute über Elektromobilität spricht, spricht damit indirekt auch über Österreich. Denn viele Technologien, die künftig den Straßenverkehr prägen werden, entstehen nicht nur in Kalifornien, Shanghai oder Stuttgart, sondern auch in Graz.

AVL List Graz

AVL List entwickelt Antriebssysteme, forscht an neuen Energielösungen und baut die vermutlich besten Motorenprüfstände der Welt. Sogar Formel-1-Teams greifen auf das Know-how aus Graz zurück.

Und dann gibt es da noch Steyr in Oberösterreich. Dort steht nämlich das größte Motorenwerk der BMW-Group. Jährlich produzieren die rund 5.000 Mitarbeiter knapp über 1,2 Millionen Benzin-, Diesel- und Elektromotoren.

Gerade der aktuelle Wandel der Automobilindustrie zeigt, wie wertvoll diese Position ist. Jahrzehntelang galt Österreich als Hochburg klassischer Motorentechnik. Die heimischen Ingenieure entwickelten Verbrennungsmotoren, Getriebe und Antriebssysteme auf höchstem Niveau. Heute steht die gesamte Branche vor der größten Transformation ihrer Geschichte. Elektromobilität, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und automatisiertes Fahren verändern die Spielregeln grundlegend.

Motorenwerk der BMW Group in Steyr

Das BMW-Werk in Steyr ist der größte Motorproduzent des Konzerns. Jedes Jahr werden hier 1,2 Millionen Antriebseinheiten gebaut. Davon rund 100.000 Elektromotoren.

Während in manchen Regionen noch darüber diskutiert wird, wie dieser Wandel bewältigt werden soll, arbeiten österreichische Unternehmen längst an den Lösungen dafür. Sie entwickeln Batteriemanagementsysteme, forschen an Wasserstofftechnologien und programmieren Software für die Fahrzeuge von morgen.