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Trend
Land der Autos. Zukunftsreich!

Warum sich ohne Österreich nix bewegt – Teil 2

Österreich ist ein Autoland. Zumindest wurde es vor zwei Jahren von einem Bundeskanzler so bezeichnet. Ein Autoland? Österreich? Wirklich? Das Land der Berge, der Seen, der Skifahrer und der Kaffeehäuser? Das Land, das zwar eine stolze Industriegeschichte besitzt, aber keine eigene große Automarke mehr vorweisen kann? Die Fragen sind berechtigt. Schließlich denkt man bei Deutschland an Mercedes-Benz, BMW, Audi, Opel und Volkswagen. Bei Italien fallen einem Ferrari, Lamborghini und Fiat ein. Frankreich hat Renault und Peugeot, Schweden Volvo und die Tschechen Skoda. Österreich hingegen? Da wird es schon schwieriger.

Es menschelt sehr

Vielleicht liegt die Stärke Österreichs gerade darin, dass das Land nie von einer einzigen Marke abhängig war. Während andere Nationen ihre Industrie rund um große Konzerne aufgebaut haben, entwickelte Österreich ein Netzwerk aus Spezialisten. Das macht die Branche flexibel. Wenn sich Technologien ändern, kann sich auch die Industrie anpassen. Diese Fähigkeit könnte sich in den kommenden Jahren als enormer Vorteil erweisen.

Toto Wolff und Niki Lauda

Toto Wolff ist Teamchef und Miteigentümer des Mercedes-AMG Formel-1-Teams. Mit mittlerweile 13 Jahren in dieser Position ist er das dienstälteste Teamoberhaupt. Niki Lauda ist, obwohl bereits 2019 verstorben, immer noch ein wichtiger Teil der heimischen Automobilszene. Zu legendär sind seine Sager, zu beeindruckend ist seine Karriere, die ja aus vielen Höhen und Tiefen bestand.

Doch Österreich exportiert nicht nur Technik. Österreich exportiert auch Menschen. Wer sich die Spitzenpositionen der internationalen Automobilwelt ansieht, stößt erstaunlich oft auf rot-weiß-rote Wurzeln. Ein herausragendes Beispiel ist Toto Wolff. Der Wiener zählt heute zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des internationalen Motorsports.

Als Teamchef und Miteigentümer des Mercedes-Formel-1-Teams führte er die Mannschaft zu einer der erfolgreichsten Epochen der Rennsportgeschichte. Weltmeistertitel wurden beinahe zur Gewohnheit. Was Wolff dabei auszeichnet, ist nicht Lautstärke, sondern strategisches Denken. Er verkörpert eine Art von Management, die man häufig mit Österreich verbindet: analytisch, pragmatisch und bemerkenswert gelassen, selbst wenn rundherum die Motoren auf Höchstdrehzahl laufen.

Stephan Winkelmann

Stephan Winkelmann hat eine bewegte Karriere hinter sich: vom Gebietsverkaufsleiter für Alfa Romeo über seine Tätigkeit als Geschäftsführer bei Fiat Österreich und als Vorstandsvorsitzender bei Fiat bis zum CEO von Lamborghini.

Ähnlich beeindruckend ist die Karriere von Stephan Winkelmann. Der gebürtige Deutsche mit österreichischer Staatsbürgerschaft prägte zunächst das Motor Village in der Schönbrunnerstraße, dann die Marke Lamborghini, übernahm später sogar Verantwortung bei Bugatti und dann wieder bei Lamborghini. Unter seiner Führung entwickelte sich Lamborghini von einem exotischen Nischenhersteller zu einer globalen Luxusmarke.

Dagmar Zinner

Dagmar Zinner leitet von Wien aus die gesamte Unternehmenskommunikation von Honda in Europa.

Aber es sind auch internationale Karrieren abseits von Hypercars und Formel-1-Zirkus. Dagmar Zinner ist Head of Corporate Communications bei Honda Motor Europa, leitet also die Unternehmenskommunikation des Motorenriesen Honda auf unserem Kontinent. Obwohl Honda Motor Europe in England sitzt, waltet Zinner von Wien aus. Neben Autos geht es um Motorräder, Boote und Rasenmäher.

Stephanie Haider

Stephanie Haider ist Marketingleiterin in Opels Heimatmarkt. Davor stand sie an der Spitze von Citroën in Österreich.

Eine weitere Frau auf der Überholspur ist Stephanie Haider. Bis vor kurzem noch Geschäftsführerin bei Citroën Österreich, jetzt Marketingleitung bei Opel in Deutschland. Als solche berichtet sie direkt an Opel-Deutschland-Geschäftsführer Patrick Dinger, der davor ebenfalls Österreichchef von Citroën war. Nicht zu vergessen sind die zwar in und für Österreich beschäftigten Geschäftsführer der Porsche Holding in Salzburg. Von dort aus werden allerdings viele Strippen gezogen, die ganz Europa betreffen. Dazu aber später mehr.

Wilfried Weitgasser

Wilfried Weitgasser leitet neben Hans Peter Schützinger, Wolfgang Wurm und Günther Seifert die Geschäfte von Österreichs größtem Automobilimporteur und auch von einem der größten Händlernetze Europas.

Doch nicht nur Managementpositionen werden wunderbar von Österreicherinnen und Österreichern besetzt. Das Land der Berge punktet auch mit Kreativität und Ästhetik. Der Steirer Karl Neuhold leitet das Exterieurdesign-Team von Skoda. Ganz nach seinem Motto "Das Auto ist der Star" sieht er sich zwar eher abseits des Scheinwerferlichtes, aber wer das Design von einigen der erfolgreichsten Modelle Europas verantwortet, darf durchaus ein bisserl gefeiert werden. Zumal es in diesem Beitrag zwar nicht nur, aber auch um Menschen geht.

Karl Neuhold

Vom Theologie- und Maschinenbaustudium zu einem der besten Designer der Welt. Seit 2006 gibt Karl Neuhold mit seinem Team Skoda ein Gesicht.

Natürlich wäre jeder Text über Österreich als Autoland unvollständig, ohne den Motorsport zu erwähnen. Denn auch dort hat das Land weit mehr Spuren hinterlassen, als seine Größe vermuten lässt. Niki Lauda ist bis heute eine Ikone. Der dreifache Formel-1-Weltmeister war viel mehr als nur Rennfahrer. Er war Unternehmer, Visionär und eine Persönlichkeit, deren Einfluss weit über den Motorsport hinausreichte. Seine direkte Art wurde legendär. Lauda sagte selten das, was andere hören wollten. Er sagte das, was er für richtig hielt. Vielleicht machte ihn genau das so glaubwürdig.

Auch Jochen Rindt gehört untrennbar zur österreichischen Motorsportgeschichte. Bis heute ist er der einzige Formel-1-Weltmeister, der seinen Titel posthum gewann. Sein Name steht sinnbildlich für eine Ära, in der Rennfahrer Helden waren und jede Fahrt ein Abenteuer bedeutete.

Lass und über Geld reden!

Während Österreich also keine große Serienmarke besitzt, hat das Land zahlreiche Menschen hervorgebracht, die die Automobilwelt geprägt haben. Ingenieure, Manager, Rennfahrer und Unternehmer. Vielleicht liegt gerade darin unsere besondere Qualität. Österreich produziert nicht nur Fahrzeuge oder Komponenten. Österreich produziert Talente.

Porsche Bank in Salzburg

Die Porsche Bank ist nicht nur 60 Jahre alt, sondern auch führend, wenn es um Digitalisierung, neue Finanzierungssysteme und Flottenmanagement geht. Aktuell ist sie in 16 Ländern aktiv.

Besonders stark sind wir dort, wo Präzision, Innovationskraft und unternehmerisches Know-how zusammentreffen. Das zeigt sich nicht nur in der Entwicklung moderner Fahrzeugtechnologien, sondern auch in Bereichen, die für die Mobilität von heute und morgen mindestens ebenso entscheidend sind: Finanzierung, Digitalisierung und Handel. Ein Paradebeispiel dafür sind die in Salzburg beheimateten Unternehmen der Porsche Holding. Mit der Porsche Bank entstand in Österreich eines der erfolgreichsten Mobilitäts- und Finanzierungsmodelle Europas.

Was einst als klassische Fahrzeugfinanzierung begann, hat sich längst zu einem umfassenden Mobilitätsdienstleister entwickelt. Leasing, Finanzierung, Versicherung und innovative Nutzungsmodelle werden hier nicht nur für den österreichischen Markt entwickelt, sondern international ausgerollt. Die Anforderungen der Kunden verändern sich rasant und genau hier beweist österreichisches Know-how seine Stärke: flexibel, digital und stets nahe an den Bedürfnissen des Marktes. Seit mittlerweile 60 Jahren. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen.

Gleichzeitig zählt Porsche Inter Auto zu den bedeutendsten Automobilhandelsgruppen Europas. Mit ihrem weit verzweigten Händlernetzwerk und ihrer langjährigen Erfahrung setzt sie Maßstäbe im modernen Fahrzeugvertrieb und im professionellen Management von Gebrauchtwagen. Gerade in diesem Bereich haben österreichische Unternehmen international eine Vorreiterrolle übernommen. Digitale Prozesse, intelligente Datenanalysen und effiziente Vermarktungsstrategien sorgen dafür, dass Fahrzeuge schneller, transparenter und erfolgreicher gehandelt werden können – ein Know-how, das heute weit über die Landesgrenzen hinaus gefragt ist.

Porsche Wien Liesing

Porsche Inter Auto ist in 29 Ländern auf drei Kontinenten aktiv. Geleitet wird die Organisation von Salzburg aus. Über die gesamte historische Laufbahn hinweg hat die PIA deutlich über 10 Millionen Autos umgesetzt.

Österreich beweist damit eindrucksvoll, dass die Zukunft der Automobilbranche nicht ausschließlich in den Entwicklungszentren großer Hersteller entschieden wird. Auch dort, wo Fahrzeuge finanziert, vermarktet, verwaltet und über ihren gesamten Lebenszyklus begleitet werden, entstehen Innovationen mit internationaler Strahlkraft. Unternehmen wie die Porsche Bank und Porsche Inter Auto zeigen, dass rot-weiß-rotes Know-how nicht nur unter der Motorhaube steckt, sondern ebenso in den Geschäftsmodellen und digitalen Lösungen, die moderne Mobilität überhaupt erst möglich machen.

Eine Frage der Kultur

Doch bei aller Wirtschaftskraft, bei allen Exportzahlen und technologischen Erfolgen wäre es falsch, das Auto in Österreich ausschließlich als Industrieprodukt zu betrachten. Autos sind hier auch Teil der Kultur. Wer jemals frühmorgens über die Großglockner-Hochalpenstraße gefahren ist, kennt dieses Gefühl. Die Sonne taucht die Gipfel in goldenes Licht, die Straße schlängelt sich durch die Berge und hinter jeder Kurve eröffnet sich ein neues Panorama. In solchen Momenten versteht man, warum Menschen Autos lieben. Nicht wegen der technischen Daten. Nicht wegen der Quartalsberichte großer Konzerne. Sondern wegen der Emotionen.

Vielleicht hat Österreich deshalb eine besonders intensive Beziehung zum Automobil entwickelt. Die Alpen bieten einige der schönsten Straßen Europas. Das Salzkammergut, Tirol, Kärnten oder die Steiermark sind Regionen, in denen Autofahren bis heute Erlebnischarakter besitzt. Das Auto ist dort nicht bloß Fortbewegungsmittel. Es ist Teil einer Reise, Teil eines Abenteuers und manchmal auch Teil der persönlichen Freiheit.

Genau deshalb ist die Geschichte des Autolandes Österreich letztlich viel spannender als die eines klassischen Automobilstandortes. Österreich besitzt keine riesige Marke, die weltweit Milliarden in Werbung investiert. Österreich hat keine Konzernzentrale, die das globale Branchengeschehen dominiert. Stattdessen gibt es Entwickler, Forscher, Facharbeiter, Unternehmer und Manager, die überall ihre Spuren hinterlassen. Oft unsichtbar. Oft im Hintergrund. Aber fast immer entscheidend. Vielleicht ist das die modernste Definition eines Autolandes. Nicht jenes Land, das die größten Logos besitzt, sondern jenes, dessen Ideen, Technologien und Menschen in den Fahrzeugen der ganzen Welt stecken.

Österreich mag keine eigene Automarke mehr haben. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt Österreich beinahe überall in der Automobilindustrie: unter der Motorhaube, in der Entwicklung, in der Fertigung, im Motorsport, in den Chefetagen internationaler Konzerne. Und vielleicht ist genau das die größte Pointe dieser Geschichte: Das Land ohne eigene Automarke hat es geschafft, zu einem der wichtigsten Autoländer Europas zu werden. Nicht trotz dieses Umstands, sondern vielleicht gerade deshalb.